Galileo Projekt
Der bayerische Ministerpräsident sieht in
Zukunftstechnologien wie dem Satellitensystem ein großes Potenzial für Wachstum
und Beschäftigung.
München - Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat sich dafür
ausgesprochen, dass die neue europäische Aufsichtsbehörde für das Satellitensystem
Galileo in München eröffnet wird. „Vor allem bei den Zukunftstechnologien wie
dem Satellitensystem Galileo müssen wir das Potenzial für Wachstum und
Beschäftigung nutzen“, sagte Stoiber bei der Eröffnung der Fachmesse „Intergeo“
in München. Die Messe widmet sich der Geodäsie, der Geoinformation und dem
Landmanagement.
Am 7. November ist in Oberpfaffenhofen Baubeginn für das Galileo-
Kontrollzentrum, eines „wichtigen Aushängeschilds für den
Hochtechnologie-Standort Bayern“, wie Stoiber sagte. Er wies darauf hin, dass
ein Großteil der in Deutschland investierten Galileo-Mittel nach Bayern fließt.
Gleichzeitig tagt seit Sonntag die Internationale Vereinigung der
Vermessungsingenieure (FIG) in München. Im Mittelpunkt des bis Freitag
dauernden Kongresses stehen neben Galileo auch Systeme zur Tsunami-Frühwarnung.
Stoiber hob die Rolle des Vermessungswesens für die moderne Wirtschaft
hervor. „Ohne die Leistungen der Vermessungsingenieure sind Projekte wie
Galileo oder der Aufbau eines globalen Tsunami- Frühwarnsystems nicht denkbar.“
Das Vermessungswesen habe bereits „in weltumspannenden Zusammenhängen gedacht,
als Begriffe wie Globalisierung und Internationalisierung noch nicht ins
allgemeine Bewusstsein gedrungen waren“.
Der FIG-Kongress findet alle vier Jahre statt und gilt als größtes Treffen
der Branche. Auf der Messe „Intergeo“ mit über 500 Ausstellern werden rund
20.000 Besucher erwartet.
Welt.de/dpa
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Geodäten haben Nachwuchssorgen
Bedarf in Wirtschaft und Forschung
Der Beruf des Landvermessers ist einer der ältesten der Welt. Schon der Vater von Alexander dem Großen hatte aus
militärischen Gründen einige Meßspezialisten angestellt, die ihm genaue Karten Makedoniens zeichnen sollten.
Mehr als zwei Jahrtausende später ist der Beruf des Landvermessers auch einer der modernsten der Welt. Denn wer heute
Geodäsie (aus dem Griechischen: "die Erde teilen") oder Geoinformatik studiert, für den gehören immer öfter
Satellitennavigationssysteme, Daten von Raumfahrtemissionen und Multimedia-Anwendungen zum täglichen Handwerkzeug.
"Wollen Sie die Erde und den Weltraum erkunden, neugierig geowissenschaftliche Zusammenhänge analysieren und sie mittels
digitaler Filmanimation vierdimensional visualisieren? Dann sind Sie die oder der Richtige", heißt es in bestem Werbedeutsch
auf den Internetseiten der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie der Technischen Universität München. Die Frage an
potentielle neue Studierende ist einladend formuliert, denn in der Branche herrscht Nachwuchsmangel.
"Wir müssten eigentlich wesentlich mehr Leute ausbilden", sagt Alfred Kleusberg, Professor für Navigation der Universität
Stuttgart. Etwa 200 bis 250 junge Leute hätten in diesem Semester in Deutschland mit einem Geodäsie-Studium begonnen:
etwa doppelt soviel Absolventen würden jedoch jedes Jahr gebraucht. "Das Berufsbild ist zu wenig bekannt. Viele wissen
gar nicht, was Geodäten sind", klagt Kleusberg. Mitverantwortlich für die wenigen Neuanfänger sei auch der generelle
Rückgang der Studentenzahlen in den Ingenieurwissenschaften.
"Dabei ist Geodäsie eine der vielfältigsten Studienrichtungen, die es gibt", sagt Helmut Hornik, Geschäftsführer der
Deutschen Geodätischen Kommission. Das Basiswissen in Mathematik, Physik, Informatik, Statistik und Meßtechnik liefert
das Grundstudium. Dazu kommen thematische Ausflüge in Wirtschaftswissenschaft, Recht, Geschichte und Agrarwissenschaft.
Im Hauptstudium können die zukünftigen Diplomingenieure je nach Ausrichtung der Hochschule selbst Schwerpunkte setzen.
Wer sich beispielsweise für Ingenieur-Geodäsie entscheidet, lernt vor allem, wie Brücken und Gebäude zu überwachen sind
oder wie in der Industrie Flugzeuge und Autokarossen vermessen werden. Wer Luftbilder von Hochwassergebieten auswerten
oder mit Satellitenbildern den Anstieg von Meeresspiegeln berechnen will, belegt Seminare in theoretisch-physikalischer
Geodäsie. Mit Grundstücksvermessung und Baurecht beschäftigen sich Bodenordnung und Liegenschaftsvermessung. Außerdem
können sich Studierende auch auf die digitale Verarbeitung von Daten (Geoinformatik), auf Kartographie oder auf
Navigation (man denke an GPS oder Verkehrsleitsysteme) spezialisieren.
Die Zeiten, in denen fast alle Absolventen zunächst als Referendar und später als Assessor in einem Katasteramt, also im
öffentlichen Dienst, strandeten, sind jedenfalls vorbei. "Immer mehr Geodäten arbeiten in der freien Wirtschaft oder in
der Forschung", sagt Alfed Kleusberg. Eine Studie, die von 1995 bis 2000 die berufliche Entwicklung des Stuttgarter
Studienganges untersuchte, belegt: 11 Prozent gingen in private Vermessungsbüros, 40 Prozent in die Industrie, 14 Prozent
in die Forschung und nur 17 Prozent in den öffentlichen Dienst.
Ein wesentlicher Grund für den steigenden Bedarf der Wirtschaft ist die wachsende Nutzung sogenannter Geoinformationssysteme.
Energieunternehmen, Banken und Versicherer, Verkehrs- und Versorgungsunternehmen, Städteplaner, Automobilhersteller -
sie alle verwenden inzwischen von Geodäten zusammengestellte Datensysteme. "Wir sind heute eben nicht mehr nur die, die
mit Gummistiefeln übers Feld stapfen und Latten in die Luft halten", sagt Helmut Hornik. Mit dem Berufsbild ändern sich
auch die Honorare. Nach Angaben der Deutschen Geodätischen Kommission beträgt das Anfangsgehalt für Berufseinsteiger in
der freien Wirtschaft bis zu 3500 Euro, im öffentlichen Dienst rund 3000 Euro.
Der Studiengang Geodäsie wird angeboten von den Universitäten in Stuttgart, Hannover und Karlsruhe, den Technischen
Universitäten in Berlin, Bonn, Darmstadt, Dresden und München und der Universität der Bundeswehr in München. Und damit
alle potentiellen Studenten auch wirklich den Weg zum jeweiligen Institut finden, zeigen die meisten auf ihren Websites
die Lage der Gebäude in detaillierten Lageplänen und geben dazu penibel genaue Wegbeschreibungen, mitunter sogar Raumpläne
an. Längen- und Breitengrade sind auch zu finden. Das gehört zur Berufsehre.
Nikole Schäufler
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Für Geodäten gibt es immer etwas zu tun
Leserbrief
Den Artikel "Geodäten haben Nachwuchssorgen" habe ich mit Freude gelesen. Ich bin Vermessungsingenieurin
und habe selbst erfahren dürfen, dass das Berufsbild des Geodäten in Vergessenheit geraten ist.
Eine Ursache für den geringen Bekanntheitsgrad des Geodäten ist darin zu sehen, dass wir zum größten Teil
Techniker sind und unseren Berufstand nicht richtig darstellen können. Wir können komplizierte Vermessungsaufgaben
lösen, aber unser Produkt verkaufen können wir nur sehr schlecht. Zudem wird im Studium leider kein ausreichendes
Basiswissen in Betriebswirtschaft, Personalführung und Marketing vermittelt.
Neben den von Ihnen beschriebenen Berufsfeldern darf auch nicht vergessen werden, dass die Liegenschaftsvermessung
eine wichtige Aufgabe im deutschen Rechtssystem erfüllt. Das Liegenschaftskataster ist das amtliche Verzeichnis
der Grundstücke im Sinne des Paragraphen 2 Absatz 2 der Grundbuchordnung. Das Eigentumsrecht an Grund und Boden
wird im Grundbuch und der Eigentumsgegenstand von Grund und Boden im Liegenschaftskataster nachgewiesen.
Der Geodät erfüllt also die wichtige Aufgabe der Sicherung des Eigentums an Grund und Boden. Ohne das
Liegenschaftskataster wäre es nicht möglich, dem Grundstückseigentümer seine Grundstücksgrenzen gesichert
und mit relativ hoher Genauigkeit nachzuweisen. Dies ist heute umso wichtiger, da Grund und Boden immer knapper und
teurer wird und somit bis zum letzten Quadratmeter genutzt und bebaut wird. Zudem bildet auch das Eigentum
an Grund und Boden Privater die Basis des Rechts- und Wirtschaftslebens sowie des gesellschaftlichen, staatlichen
und kulturellen Lebens. Ohne Eigentum kann unsere Gesellschaftsform nicht existieren, sodass der Schutz
des Eigentums als Grundrecht gewährleistet wird. Der Geodät sichert somit das Eigentum an Grund und Boden,
und diese Arbeit kann und darf nicht vernachlässigt oder gar aufgegeben werden. Für Geodäten gibt es also
immer etwas zu tun, in den unterschiedlichsten Berufssparten.
Christine Monka
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